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Freiwilligenarbeit in Israel
Kibbutz En Gev
Nach einer Winterpause sind wir wieder zurück.
Verzweiflung, Trauer und Erleichterung liegen nahe beieinander.
Wir freuen uns über die befreiten Geiseln, die endlich wieder ihre Liebsten in den Armen halten können.
Gleichzeitig hoffen und bangen wir um die Geiseln, die sich noch immer in fürchterlichen Zuständen befinden.
Und während eine Schwere das ganze Land bedeckt, ist diese Zeit dennoch gekennzeichnet von Zusammenhalt, Zivilcourage und Empathie.
Nur gemeinsam kommen wir da durch!
"ביחד ננצח (beyachad nenazeach) – Gemeinsam werden wir gewinnen“
Dieser Leitsatz begleitet uns hier seit 1,5 Jahren. Er heftet als Aufkleber an Autos, Hauswänden, in den Herzen der Israelis und allen, die sich in diesen Zeiten mit Israel solidarisieren.
In diesem Satz ist eine unsagbare Kraft enthalten, die das jüdische Volk zusammenhält – Es ist die Kraft, die in allen Zeiten sein Überleben gesichert hat.
Aufgeben ist keine Lösung. Also stehen wir in der Zeit des größten Schmerzes Seite an Seite und trotzen der Zerstörung mit Zusammenhalt und (Wieder-) Aufbau. Schon einen Tag nach dem 7. Oktober 2023 standen die Menschen in Israel zusammen. Sie zögerten nicht, in ihren privaten Küchen für Soldaten zu kochen und sie mit warmer Kleidung im Winter zu versorgen.
Schutzräume wurden in Eigeninitiative gebaut, repariert und bemalt – bemalt mit den schönsten Bildern, um ihnen den Schrecken zu nehmen, der die Schutzsuchenden bei Raketenalarm begleitet.
Menschen sind trotz eigener Sorgen und Nöte füreinander da, hören einander zu und weinen, hoffen und lachen miteinander.
In den nächsten Ausgaben wollen wir uns genau auf diese Kraft fokussieren und hoffen, etwas von diesen Funken zu Euch, liebe Leser, zu bringen.
Wir werden Euch Menschen vorstellen, die keine Sekunde zögerten und nach Israel kamen und immer wieder kommen.
Viele von ihnen sind seitdem mehrfach ins Land gereist, um ihre Urlaubszeit, Kraft und Geld in den Aufbau des Landes zu investieren und um vor allem eines zu zeigen: Solidarität.
Außerdem möchten wir Euch Freiwilligenprojekte im Norden Israels vorstellen und Euch ermutigen, das Gleiche zu tun:
Unterstützt uns mit Eurer Anwesenheit oder mit Spenden, damit diese so wichtige Arbeit weiterhin bestehen kann.
In dieser Newsletter-Ausgabe berichten zwei Freiwillige aus Schweden und Deutschland von ihrer Zeit im Kibbutz En Gev.

Jonathan
Jonathan
Ich bin Jonathan, 29 Jahre alt, in Schweden geboren und aufgewachsen. Ich habe eine Zeit lang in Deutschland gelebt und bin im Laufe der Jahre häufig dorthin gereist. Letzten Herbst habe ich eine 10-tägige Reise nach Israel unternommen, gefolgt von einigen Monaten im Kibbutz Ein Gev im Nordosten Israels. Bald werde ich für ein weiteres Freiwilligenprojekt nach Tel Aviv zurückkehren. Nach dem Anschlag vom 7. Oktober 2023 wurde mein Engagement für die Unterstützung Israels noch stärker. Es war verheerend, das Land und seine Menschen leiden zu sehen. Der darauf folgende Anstieg des Antisemitismus im Westen machte mich buchstäblich krank. Ich möchte das jüdische Volk und den Staat Israel auf jede erdenkliche Weise unterstützen, und dies war eine großartige Gelegenheit dazu. In Westeuropa verwenden wir die Metapher des „Weckrufs“ oft beiläufig, aber der 7. Oktober war einer der schlimmsten Weckrufe, die das jüdische Volk in der jüngeren Geschichte erlebt hat. Es war der größte Pogrom seit dem Holocaust – nicht mehr und nicht weniger. Dieser Tag hat bewiesen, dass Israel vor groß angelegten Angriffen nicht sicher ist.
Wäre die Hamas nach ihren Gräueltaten, darunter Vergewaltigungen, Massaker, Verstümmelungen und der Mord an unschuldigen Kindern, noch weiter vorgerückt, hätte die Verwüstung noch viel schlimmer sein können.
Das Trauma wird anhalten, bis alle Geiseln nach Hause zurückgekehrt sind. Während meiner Zeit in Israel hatte ich das Privileg, Menschen aus allen Gesellschaftsschichten kennenzulernen. Es hat meinen Glauben daran bestärkt, wie wichtig es ist, die Beziehungen zu Israel und seinem Volk zu stärken.
In dunklen Zeiten müssen wir zusammenstehen und Liebe und Solidarität zeigen. Die Menschen, die ich im Kibbutz traf, waren widerstandsfähig und inspirierend. Ich wünschte, mehr Menschen würden Israel besuchen und seine Schönheit aus erster Hand erleben – das ist der beste Weg, das Land wirklich zu verstehen. Ich traf junge Menschen, die an posttraumatischen Belastungsstörungen leiden und andere, die um den Verlust von Freunden trauerten. Ich sprach mit Eltern, die um die Zukunft ihrer Kinder in einem vom Krieg gezeichneten Land fürchteten. Ihre Berichte aus erster Hand machten den Kampf zwischen Gut und Böse unbestreitbar.
Jetzt warte ich darauf, dass der Rest der Welt – diejenigen, die behaupten, demokratische Werte zu verteidigen – die Wahrheit erkennt und in diesen schwierigen Zeiten an der Seite Israels steht.
In der Zwischenzeit können wir alle Maßnahmen ergreifen, um Israel zu schützen, welches an vorderster Front bei der Verteidigung der demokratischen Werte steht, die uns am Herzen liegen. Nur dann werden wir vorankommen. Yachad nenatzeach – gemeinsam werden wir gewinnen!
Ich war schon immer fasziniert von der Lebensweise der Kibbutzim, dem Gemeinschaftssinn und seiner Rolle bei der Gestaltung Israels. Sie waren für die Entwicklung des Landes von zentraler Bedeutung. Ich kam über die KPC-Organisation nach Ein Gev und arbeitete im Cheder Ochel (Speisesaal) als Geschirrspüler. Es war eine einzigartige Erfahrung und ich verliebte mich in den Norden, den See Genezareth, die Golanhöhen, die atemberaubende Natur und die friedliche Atmosphäre. Ich habe aus der Zeit als Freiwilliger einiges mit nachhause genommen. Rückblickend bin ich am meisten beeindruckt von der Widerstandsfähigkeit und Stärke der Menschen im Kibbutz. Ihre Entschlossenheit hat mich nachhaltig beeindruckt. Ich trage auch die Erinnerung an die natürliche Schönheit Israels mit mir. Aber vor allem sind es die Menschen, die den Kibbutz zu etwas Besonderem machen: Sie sind aufrichtig, herzlich und tief mit ihrer Gemeinschaft verbunden.
Kibbutzim legen Wert auf Familien, Kinder und Inklusivität, etwas, das meiner Meinung nach Israel als Ganzes definiert. Dort zu sein war demütigend. Die Kämpfe der Israelis mitzuerleben, zwingt einen, zu wachsen und zu reifen.
Wenn ihr jemals die Chance habt, Israel zu besuchen, dann nutzt sie! Ihr werdet es nicht bereuen!

Betty
Betty
Ich bin Betty, fast 29 Jahre alt und komme aus Mitteldeutschland. Ich war letztes Jahr neun Monate in Israel, in En Gev und habe in dieser Zeit so viel für mich persönlich gelernt, das ich nie vergessen werde. Was soll ich sagen…? Ich liebe Israel von ganzem Herzen!
Meine Liebe zu Israel ist im letzten Jahr noch stärker geworden, auch und vor allem wegen meines Glaubens.
Nach dem 7. Oktober wusste ich, dass ich bald nach Israel kommen werde, egal was passiert. Wenn ich wieder die Gelegenheit habe, werde ich Israel noch einmal besuchen, um all die lieben Menschen zu wiederzusehen und in einer Organisation zu helfen. Bis vor ca. zwei Jahren kannte ich nicht viele Organisationen. Also suchte ich nach einer und fand KPC. En Gev war der einzige Kibbutz, der Freiwillige aufnahm.
Mittlerweile habe ich so viele Kontakte zu anderen Organisationen und Stellen geknüpft, das ist einfach unglaublich. Ich könnte ein ganzes Jahr in Israel verbringen und von einer Organisation zur anderen gehen.
Ich habe fast sechs Monate im Speisesaal gearbeitet.
Wir waren dafür verantwortlich, das Essen am Buffet aufzufüllen und alles sauber und ordentlich zu halten. Nach sechs Monaten ging ich zur Packstation und aß viele Mangos umsonst. Diesen Job habe ich besonders genossen, auch weil das arabische Paar, welches dort verantwortlich war, so nette, freundliche und lustige Menschen waren. Und ich liebe den arabischen Kaffee mit Kardamom! Ich bin zunächst nach Israel gekommen, um etwas über die Menschen und ihre Kultur zu lernen und um ihnen etwas zu geben.
Aber wenn ich nun zurückblicke, habe ich viel bekommen.
Es war sehr mühsam am Anfang, da ich alleine war und niemanden kannte.
Aber das Beste daran war, dass ich sehr viel über mich selbst gelernt habe. Um diesen Aspekt in einem Satz zusammen zu fassen: Die Zeit in Israel hat mich Gott näher gebracht. Die Israelis, die ich kenne, sind mir etwas ähnlich: zunächst ein wenig reserviert und wenn man ihnen näher kommt, sind sie so herzerwärmend und lustig! Nach all den schlimmen Ereignissen, die ihnen passiert sind, lächeln sie immer noch und feiern die Feste mit einer Freude, die aus der tiefsten Seele kommt. Sie geben niemals auf. Und sie sind so unendlich dankbar, dass Menschen von weither anreisen. Sie drückten mir gegenüber aus, dass dies sie ermutigt. Etwas sehr wichtiges, das ich bei meinem Aufenthalt lernen durfte, war, dass ich nichts Großes tun muss.
Ich war einfach da und das alleine hat Verbundenheit geschaffen.
Vielleicht geht es einfach nur darum, „da zu sein“. Jetzt bin ich wieder in Deutschland, habe einen neuen Job angefangen, aber mein Herz hängt immer noch an Israel.
Ich plane, dieses Jahr wieder für ein paar Wochen nach Israel zu fliegen, um ein paar Freunde und den Kibbutz zu besuchen und ich möchte eine Woche im Programm von Sar-El verbringen, vielleicht bei einer anderen Organisation helfen, … Wir werden sehen.

Nicht nur im Norden Israels findet ein großes Engagement mit Freiwilligenprojekten statt, sondern überall im Land.
Zum Schluss noch eine Herzensangelegenheit in eigener Sache:
In diesen Tagen wird eine Gruppe des Nir Oz Vereins zum dritten Mal anreisen und beim Wiederaufbau des Kibbutz Nir Oz helfen.
Dieser Ort liegt in unmittelbarer Nähe zum Gazastreifen und gehört zu den Orten, die am 7. Oktober 2023 am schlimmsten getroffen wurden. Alle Infos zur Tätigkeit und wie Ihr den Verein und somit die Menschen vor Ort unterstützen könnt, findet Ihr hier:
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